Pressebericht

Wohnrauminitiative

Aktion „Türöffner“: Vermieter gesucht

Menschen ein Zuhause geben - das ist das Ziel der Aktion "Türöffner", die vor rund einem Jahr in der Caritasregion Biberach-Saulgau gestartet ist. Die Wohnrauminitiative der Caritas und der katholischen Dekanate Biberach und Saulgau macht Vermieter ausfindig, vermittelt und mietet auch selbst Wohnraum an und gibt diesen an Menschen in schwierigen Lebenssituationen weiter. 
Robert Talaj Dez 2020

Projektleiter der Aktion "Türöffner" ist Robert Talaj, er hat es innerhalb von zehn Monaten geschafft, 57 Menschen ein neues Zuhause zu geben. Schon im Januar stehen weitere Vermietungen an.

 

Die Wohnsituation in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verschlechtert, auch die Region stellt dabei keine Ausnahme dar. Es wird immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Und wenn Menschen dann womöglich noch alleinerziehend sind, aus einem anderen Land geflüchtet sind, einen Migrationshintergrund haben oder Sozialhilfe empfangen, wird es umso schwerer.

"Dieses Thema beschäftigt uns schon lange, da müssen noch dicke Bretter gebohrt werden", sagt Peter Grundler, Leiter der Caritasregion Biberach-Saulgau. Mit der Aktion "Türöffner" biete sich eine tolle Gelegenheit, dies ein Stück weit zu ändern. "Beim Projekt geht es auch nicht darum, neue Wohnungen zu bauen, sondern bestehenden Wohnraum zu vermitteln, der möglicherweise leer steht." Es handelt sich meist um Vermieter, die schlechte Erfahrungen mit ihren Mietern gemacht haben und sich dazu entschieden haben, nicht mehr zu vermieten. Dann springt Robert Talaj ein und vermittelt im Namen der Caritas. Bisher konnten so rund 1400 Quadratmeter an Leerständen in der Region aktiviert werden.

"Ich spreche mit den Vermietern und die Caritas steht dafür ein, dass Miete und Nebenkosten bezahlt werden und auch dafür, dass die Wohnkultur stimmt", sagt der Projektleiter. "Ich besuche die Mieter auch und erkläre ihnen zum Beispiel, wie man richtig lüftet, auf was zu achten ist und wie das mit der Mülltrennung funktioniert." Bisher hatte er noch keine Probleme, 17 Wohnungen hat er bereits erfolgreich an insgesamt 57 Menschen vermittelt. "Wir sind aber immer auf der Suche nach weiteren Vermietern, die ihren Wohnraum über uns vermieten möchten", sagt Talaj. "Denn der Bedarf ist da." Seit Anfang des Projekts im Oktober 2019 hatte die Aktion "Türöffner" mehr als 270 Anfragen.

Bei den Menschen, die sich an die Caritas wenden, handelt es sich überwiegend um Alleinerziehende und Geflüchtete: "Jeder hat seine eigene Geschichte, manche müssen aus ihrem bestehenden Mietverhältnis raus, sind bereits obdachlos oder finden aufgrund ihres Migrationshintergrunds keine Wohnung", sagt Robert Talaj. Senioren gehören dabei eher nicht zur Zielgruppe.

"Unsere Mission ist es, benachteiligten Menschen Wohnraum zu ermöglichen", so der Projektleiter. "Die ist dann erfüllt, wenn wir es am Ende geschafft haben, dass die Mieter selbst die Wohnung in ihrem Namen anmieten." Das könne nach ein paar Monaten geschehen, wenn die Vermieter sehen, dass alles passt und sie gute Erfahrungen mit ihren neuen Mietern gemacht haben.

"Bei der Caritas haben wir so viel mit Menschenkindern zu tun, die einiges erlebt haben", sagt Peter Grundler. "Wir schauen auch danach, welche Begleitstrukturen möglicherweise nötig sind." Wenn Bedarf bestehe, sei für die Mieter auch eine soziale Begleitung sichergestellt. Es sollen auch mögliche Kooperationen mit Kommunen eingegangen werden. So gibt es beispielsweise seit 1. Juli 2020 eine Wiedervermietungsprämie vom Land Baden-Württemberg. "Seit Mitte des Jahres gibt es für Gemeinden, die Möglichkeit diese Prämie für Wohnungen zu erhalten, die mindestens seit neun Monaten leer stehen", sagt Talaj. Die Prämie beträgt zwei Monatsmieten, aber maximal 2000 Euro. Die Kommunen könnten über die Verwendung frei entscheiden. Gespräche wurden schon mit einzelnen Städten und Gemeinden in der Region geführt. Ziel ist es, diese Netzwerkarbeit 2021 weiter auszubauen.

Finanziert wird das Projekt "Türöffner" von der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Mittlerweile seien alle zehn Caritasregionen auf diesem Gebiet aktiv. So hätten bereits Hunderte Wohnungen für mehr als 1000 Menschen gefunden werden können. "Ich finde es gut, dass sich die Kirche dieses Themas angenommen hat", sagt auch Joachim Schmucker, Fachleiter der sozialen Dienste bei der Caritas. "Sie hat die Not, bezahlbaren Wohnraum zu finden, erkannt und ist eingetreten." Dies allein löse aber nicht das Problem. "Deshalb gilt mein Appell der Politik und den Kommunen: Sie müssen bauen, bauen und nochmals bauen." Nur so könne das Problem langfristig gelöst werden.

Wer eine Wohnung über die Caritas vermieten möchte oder auch eine Wohnung sucht, kann sich an Robert Talaj unter Telefon 07351/34951209 oder per E-Mail an talaj.r@caritas-biberach-saulgau.de wenden.

Weitere Infos zum Projekt und Angebote von leer stehenden Wohnungen gibt es online unter: www.türöffner-bcs.de