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  • Falsches Signal zur falschen Zeit: Caritas und Diakonie warnen vor Aus der Ökumenischen Migrationsarbeit

Falsches Signal zur falschen Zeit: Caritas und Diakonie warnen vor Aus der Ökumenischen Migrationsarbeit

Vollständige Streichung schwächt Integration, gefährdet den Zusammenhalt und verursacht langfristig höhere Folgekosten

Die Caritas Ulm-Biberach und die Diakonie im Kirchenbezirk Biberach kritisieren die geplante vollständige Streichung der Förderung der Ökumenischen Migrationsarbeit (ÖMA) im Rahmen der Haushaltsberatungen des Landkreises Biberach. Die beiden Wohlfahrtsverbände appellieren an die Mitglieder des Kreistags, die weitreichenden Folgen dieser Entscheidung für Integration, Ehrenamt und gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgfältig abzuwägen.

"Die Ökumenische Migrationsarbeit ist keine freiwillige Zusatzleistung, die man einfach streichen kann. Sie ist ein zentraler Baustein gelingender Integration im Landkreis Biberach", betont Sara Sigg, Leiterin der Caritas Ulm-Biberach. "Wer heute die Strukturen abbaut, die Menschen beim Ankommen, Lernen und Teilhaben unterstützen, wird morgen die sozialen und finanziellen Folgekosten tragen müssen."

Die ÖMA begleitet und unterstützt seit 2015 ehrenamtliches Engagement im Landkreis. Aktuell werden 38 Integrationsangebote koordiniert und begleitet. Dazu gehören unter anderem Sprachtrainings, Frauentreffs, Hausaufgabenhilfen, individuelle Alltagsbegleitungen sowie Angebote zur beruflichen Orientierung. Zahlreiche Ehrenamtliche engagieren sich in diesen Projekten und leisten einen wichtigen Beitrag für das Zusammenleben im Landkreis.

"Integration gelingt nicht von allein. Sie braucht Menschen, die begleiten, informieren und Brücken bauen", sagt Thomas Opitz, Geschäftsführer der Diakonie im Kirchenbezirk Biberach. Es gibt viele positive Beispiele, was ÖMA bewirkt: "Ganz aktuell haben wieder mehrere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte durch die Unterstützung von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen den Einstieg ins Berufsleben geschafft. Damit ist ihnen ein wichtiger Schritt gelungen, um in ihrer neuen Heimat anzukommen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben." so Opitz. "Mit der Streichung der Ökumenischen Migrationsarbeit würde ein über Jahre gewachsenes Netzwerk verloren gehen, das wesentlich zur Stabilität und zum sozialen Frieden in unserer Region beiträgt."

In direkter Anbindung an die Caritas sind 201 freiwillig Engagierte Personen im Bereich der ÖMA tätig, die nach der Streichung ab 2028 ohne Unterstützung vor Ort zurechtkommen müssen. "Die Ehrenamtlichen sind großartig und machen erstklassige Arbeit. Ich bin aber davon überzeugt, dass viele dieser Strukturen ohne hauptamtliche Koordination langfristig nicht in gleicher Weise bestehen bleiben können." so Sigg, die aus der Erfahrung der Caritasarbeit spricht. "Wir dürfen das Ehrenamt nicht noch mehr überfordern und denken, dass wir damit Geld sparen können. Diese Rechnung geht nicht auf."

Die Verbände weisen zudem darauf hin, dass rückläufige Zuwanderungszahlen nicht bedeuten, dass Integrationsarbeit überflüssig geworden sei. Viele Menschen, die in den vergangenen Jahren in den Landkreis gekommen sind, benötigen weiterhin Unterstützung bei Sprache, Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe.

Mit Blick auf die finanziellen Ressourcen agiert der Landkreis mit den beiden Trägern seit Jahren in einem verantwortungsvollen Miteinander, weshalb sich die Ökumenische Migrationsarbeit inhaltlich und im Umfang in einem stetigen Wandel befinden. 2026 hat bereits eine Reduktion der ÖMA-Personalstellen von 2,5 auf 2,1 stattgefunden, um den veränderten Bedingungen Rechnung zu tragen, was in der Vorberichtserstattung nicht vermerkt wurde.

"Integration endet nicht mit der Ankunft eines Menschen. Sie ist ein langfristiger, komplexer Pro-zess und eine Investition in den Zusammenhalt unserer Gesellschaft", so Sigg und Opitz. "Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Herausforderungen wäre der vollständige Rückzug aus der Integrationsarbeit das falsche Signal. Wir dürfen die Ehrenamtlichen mit dieser anspruchsvollen Aufgabe nicht allein lassen."

Caritas und Diakonie fordern die Kreisrätinnen und Kreisräte daher auf, die Streichung der Ökumenischen Migrationsarbeit zu überdenken und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen für den Erhalt dieser wichtigen Struktur zu suchen.


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